Steilrinnen im Portrait: Die Strichkogelrinne

Steilrinnen sind die Königsdisziplin des Alpinismus.

von Bergwärts Expertin Claudia Timm

Kaum eine andere Geländeform treibt den Adrenalinpegel so schnell in ungeahnte Höhen und fordert neben solidem skifahrerischen Können auch den versierten Alpinisten. ORIGINAL+ war für Euch unterwegs und hat für Euch einige der schönsten Rinnen der Alpen mitgebracht:

Abfahren und genießen – die Strichkogelrinne bietet immer ausreichend Platz für weite Schwünge.
Abfahren und genießen – die Strichkogelrinne bietet immer ausreichend Platz für weite Schwünge. (c) Claudia Timm

Der Charakter der Rinne

Mit gleichmäßigem Gefälle windet sich die Strichkogelrinne zwischen den spitzen Felszacken des Gosaukamms ins imposante Weitschartenkar. Was einen an der Grenze zwischen Oberösterreich und Salzburg erwartet: Dolomitenflair pur und perfektes Skigelände für Rinneneinsteiger und Überflieger. Ein zusätzliches Plus: Die steilen Kare des Gosaukamms bieten unzählige Kombinationsmöglichkeiten.

Die wichtigsten Fakten im Überblick

  • Land: Österreich
  • Berg: Strichkogel
  • Talort: Gosau / Vorderer Gosausee
  • Exposition: Nord bis Ost
  • Gefälle: > 40° Grad
  • Schwierigkeit: +++ von +++++
  • Höhenmeter: 1.200 hm
  • Strecke 8,6 km
  • Dauer: 4 h 30

Der genaue Routenverlauf

Aufstieg:

Die Tour startet am großen Parkplatz der Gosaukammbahn am Vorderen Gosausee. Am Gasthaus vorbei und dann rechts hinauf zu den steilen Felszacken des Gosaukamms. Etwa auf Höhe des Waldes links halten und mehr oder weniger dem Sommerweg in Richtung der Scharwandhütte folgen.

Ein wenig oberhalb der unbewirtschafteten Hütte lichtet sich der Wald und gibt den Blick frei auf das riesige Weitschartenkar. In zahlreichen Spitzkehren wird die Große Weitscharte erreicht. Je nach Schneelage müssen die Ski die letzten Meter getragen werden.

Nach der Scharte fährt man mit Fellen circa 50 Höhenmeter ab und traversiert dann, die Höhe haltend, in Richtung Strichkogel. Am Vorgipfel Skidepot und die letzten Meter zu Fuß zum aussichtsreichen Gipfel.

Abfahrt:

Vom Skidepot Einfahrt über die Kleine Weitscharte in die Strichkogelrinne, die nach etwa 400 steilen Höhenmetern langsam ausläuft. Nun möglichst weit links, dicht an der Felswand des Scharlingskogels halten und durch den Wald sehr steil zum Auslauf der Scharlingrinne abfahren. Über den freien Hang hinab zum See und zurück zum Ausgangspunkt der Tour.

Blick vom Gipfel des Strichkogels in die Rinne: In der steilen Einfahrt heißt es erstmal runter vom Gas.
Blick vom Gipfel des Strichkogels in die Rinne: In der steilen Einfahrt heißt es erstmal runter vom Gas. (c) Claudia Timm

Welche Varianten gibt es?

Variante 1:

Wer eine Salzburg Superski Card besitzt, kann die Skitour zu einer schönen Runde ausdehnen: Man startet dann am Parkplatz Pommer, nahe der Donnerkogelbahn des Skigebiets Dachstein West, und steigt von Südwesten zum Strichkogel auf. Dann Abfahrt zum Gosausee wie oben beschrieben.

Links des Gosaubachs in den Wald einfahren und entlang der Straße zur Talstation des Panorama Jets Zwieselalm (meist gespurt). Über die Skipisten zur Talstation der Donnerkogelbahn und zu Fuss zurück zum Parkplatz.

Variante 2:

Am Ende der Strichkogelrinne nach kurzem Wiederanstieg über die Scharlingrinne bis zum See abfahren.

Welche Schlüsselstellen sorgen für Adrenalin?

Der Aufstieg vom Skidepot zum Gipfel erfordert ein wenig Trittsicherheit, wirft aber keine besonderen Schwierigkeiten auf. Der steilste Abschnitt der Strichkogelrinne ist die Einfahrt. Da die Rinne jedoch angenehm breit ist, bleibt immer genug Platz für weite Schwünge. Eine weitere Schlüsselstelle: Die steile Waldabfahrt zum Auslauf der Scharlingrinne.

Da kommt Freude auf! Die steile Waldabfahrt zum Auslauf der Scharlingrinne sorgt am Ende der Tour nochmal für Hochgefühle.
Da kommt Freude auf! Die steile Waldabfahrt zum Auslauf der Scharlingrinne sorgt am Ende der Tour nochmal für Hochgefühle. (c) Claudia Timm

Warum abfahren?

Die Skitour auf den Strichkogel hat einfach alles, was man sich von einem alpinistischen (Halb)tagesausflug wünscht : Naturschönheit mit Dolomitenflair vom Tal bis zum Gipfel, ein bisschen Adrenalin dank der steilen Rinne und - vor allem in den windgeschützten Bereichen - meist traumhaften Pulverschnee.

Wie hinkommen?

Von Süden auf der Tauernautobahn kommend die Ausfahrt Golling nehmen und über Abtenau und den Pass Gschütt in die Gosau zum Vorderen Gosausee fahren. Von Norden aus Bad Ischl kommend über Bad Goisern und vorbei am Hallstätter See in die Gosau zum Vorderen Gosausee. Dort am Parkplatz der Gosaukammbahn kostenlos parken.

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Wo einkehren?

In der Gosauer Speiserei gibt es von Montag bis Samstag eine kleine aber sehr feine Mittagskarte mit regionalen Schmankerln. Alle Speisen sind mit viel Liebe hausgemacht und stammen meist aus der hauseigenen Fleischhauerei.

Mit einem lokalen Bergführer auf Tour gehen?

Bergführer Wolfgang Russegger vom Bergführerbüro Salzburg kennt den Gosaukamm wie seine Westentasche und zeigt Euch garantiert die besten Steilrinnenkombis.

Mehr Infos

Alpenvereinskarte Gosaukamm 1:10000 und die Tourenbeschreibung auf www.alpenvereinaktiv.com.

Bildergalerie

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