Skihochtour für Spätentschlossene: Auf das Grosse Fiescherhorn

Climb & Ski in der Jungfrauregion

von Bergwärts Expertin Claudia Timm

Für viele von uns ist die Skitourensaison schneller zu Ende gegangen als erhofft. Wer noch einmal ausrücken möchte, bevor er seine Latten für den Sommer in den Keller verbannt, dem sei die Skihochtour auf das Grosse Fiescherhorn in den Berner Alpen empfohlen: Schnell erreichbar, spannend im Aufstieg und spaßig in der Abfahrt – das ist Sommerskitouren vom Feinsten.

Jetzt bloß nicht die Nerven verlieren – in der Schlüsselstelle möchte man das Tempo gut kontrollieren.
Wikimedia Commons – Pmau

Der Charakter der Tour

Wer den höchstgelegenen Bahnhof Europas am Jungfraujoch Richtung Gletscher verlässt, der kann dem Wetter mitten im Sommer ein Schnippchen schlagen: Während unten im Tal die Wiesen in zartem Grün erstrahlen, taucht man hier oben – auf einen Schlag – ein in eine Welt aus Schnee und Eis. Der komfortable Zustieg und die schnelle Erreichbarkeit machen das Grosse Fiescherhorn zu einer der beliebtesten Skihochtouren im Jungfraugebiet. Kein Wunder, denn die steile Kraxelei über einen exponierten Firnhang macht den markanten Aussichtsgipfel zum besonderen Erlebnis.

Die wichtigsten Fakten im Überblick

  • Land: Schweiz / Jungfrau Region
  • Berg: Grosse Fiescherhorn (4.049 m)
  • Talort: Grindelwald
  • Exposition: Ost bis West
  • Gefälle: > 45-50° Grad
  • Übernachtung: Mönchsjochhütte (3.624 m)
  • Anforderung: Skitour WS, Klettern II
  • Höhenmeter: 860 Meter
  • Dauer: 7 h 00
  • Beste Jahreszeit: Mai bis Juli

Der genaue Routenverlauf

Zustieg:

Von Grindelwald Terminal mit dem Eiger Express zur Haltestelle Eigergletscher. Schon diese Fahrt ist ein Erlebnis: Immer wieder tun sich schöne Ausblicke auf die berühmte Eiger Nordwand auf. Kurz umsteigen und mit der Jungfraubahn zum höchstgelegenen Bahnhof Europas am Jungfraujoch (3.453 m). Von dort führt ein präparierter und gut markierter Winterwanderweg in 45 Minuten zur Mönchsjochhütte (3.624 m).

Tipp:

Fahrkarte und Sitzplatz am besten online buchen. Für alle, die öfter mit Schweizer Bahnen unterwegs sind, lohnt sich eventuell ein Halbtax-Abo, mit dem sich der Kaufpreis für die Bahnfahrt halbiert.

Aufstieg zum Walchergrat im Licht der Stirnlampe. Copyright: Claudia Timm

Aufstieg:

Nachdem man sich über Nacht etwas akklimatisiert hat, beginnt der Gipfeltag mit einer kurzen Abfahrt. Am linken Rand des Ewigschneefelds geht es ostwärts bis auf eine Höhe von circa 3.400 m. Am Fuß der Süd-Flanke des Walcherhorns wird aufgefellt und der Anstieg beginnt. Vorbei an einigen kleineren Seracs schlängelt sich die Route in Spitzkehren über die noch hart gefrorenen Firnhänge empor, dem Sattel mit P.3604 entgegen. Harscheisen sind hier meist von Vorteil.

Am Walchergrat dann Skidepot und Umrüsten auf Steigeisen und Pickel. Über den teilweise ausgesetzten Grad bis zu einem steilen Eis- und Firnhang auf der Ostseite des Walchergrats. Dieser führt über 100 Höhenmeter im 45-50° Grad steilen Gelände bis an kurz unterhalb des Gipfels. Je nach Bedingungen und Moral sind hier zwei Eisgeräte, Eisschrauben zur Zwischensicherung und ein Seil von Nöten. Ab einem kleinen Sattel über leichtes Fels- und Blockgelände (II) zum aussichtsreichen Gipfel des Grossen Fiescherhorns (4.049 m) mit Blick auf Eiger, Mönch und Finsteraarhorn.

In der steilsten Stelle des Firnhangs – hier hat man ordentlich Luft unterm Hintern. Copyright: Claudia Timm

Abfahrt:

Abstieg entlang der Aufstiegsroute zum Skidepot. Am Beginn des steilen Firnhangs kann der Vorsteiger gut über die Kante des Sattels an einem Felsblock gesichert werden.  Vom Skidepot über gleichmäßig steile Hänge hinab zum Ewigschneefeld und Richtung Nordwesten zurück zur Mönchsjochhütte.

Welche Varianten gibt es?

Variante 1:

Wer zeitig unterwegs ist, kann nach der Abfahrt zum Ewigschneefeld noch einen schnellen Abstecher zum Trugberg Südgipfel (3.879 m) machen. Die letzten Meter zum Gipfel werden zu Fuß zurückgelegt. Von hier hat man eine schöne Aussicht auf den Jungfraufirn und den imposanten Konkordiaplatz.

Abfahrt vom Walchergrat zum Ewigschneefeld über schöne Firnhänge – im Hintergrund das Grosse Fiescherhorn. Copyright: Claudia Timm

Variante 2:

Bei perfekten Bedingungen kann man die Überschreitung der Fiescherhörner angehen und über das Hintere Fiescherhorn zur Konkordiahütte (2.850 m) abfahren oder über den Fieschersattel zur Finsteraahornhütte (3.051 m). Von dort am nächsten Tag auf das Finsteraarhorn und das Wochenende ist komplett.

Welche Schlüsselstellen sorgen für Adrenalin?

Im Firnhang hat man ordentlich Luft unter dem Hintern. Denn dieser ist der obere Abschluss der 1.250 m hohen und vier Kilometer langen, teilweise senkrecht abfallenden, Nordwand des Grossen Fiescherhorns – der Fiescherwand. Ein Ausrutscher endet hier gefühlt in Grindelwald, in Realität zumindest im zerklüfteten Gletscher des Ischmeer. Der Umgang mit Eisschrauben, Pickel, Steigeisen und Seil sollte bei eisigen Verhältnissen entsprechend gut sitzen.

Am Weg zum Gipfel – nach dem Firnhang folgt eine schöne Blockkletterei mit Blick auf den Konkordiaplatz. Copyright: Claudia Timm

Was mitnehmen?

Für die Tour braucht es in jedem Fall eine komplette Gletscherausrüstung. Auf dem Ewigschneefeld gibt es zwar wenig Spalten, aber im Aufstieg zum Walchergrat sollte auf Spaltenzonen geachtet werden. Im Firnhang kommt es stark auf die Bedingungen an – idealerweise informiert man sich schon vor der Anreise: Ist der Hang eisig, sind Eisschrauben, Steigeisen, Pickel und Seil unabdingbar. Um die Vorstiegsmoral zu erhöhen, können zwei Eisgeräte hilfreich sein.

Warum hinfahren?

Die Kombi-Tour auf das Grosse Fiescherhorn verspricht spannendes Skitouren-Vergnügen bis in den Sommer hinein. Während man unten im Tal mit dem Bike schon über saftig grüne Trails surft, herrscht hier oben im Jungfraugebiet noch tiefster Winter. Der Zustieg ist kostspielig, aber dafür äußerst bequem. Das Klettererlebnis und die beeindruckenden Aussicht machen das Skitouren-Erlebnis perfekt.

Blick vom Gipfel zum Hinteren Fiescherhorn. Copyright: Claudia Timm

Wie hinkommen?

Von Interlaken über die Grenchenstraße nach Grindelwald. Dort kann man das Auto im Eiger+ Parkhaus oder im Parkhaus Sportzentrum abstellen.

Welche lokalen Bergführer buchen?

Die Bergführer der OUTDOOR Bergsportschule Grindelwald kennen die Jungfrau Region wie ihre Westentasche. Alle Bergführer sind IVBV ausgebildet und es werden individuelle Führungstouren angeboten.

Mehr Infos

Gutes Kartenmaterial gibt es auf map.geo.admin.ch. Diese konkrete Route ist jedoch auf der Schneesportkarte nicht verzeichnet.

Wer sich am Ewigschneefeld für eine Zusatzrunde auf den Südgipfel des Trugbergs entscheidet, der hat gut Lachen. Copyright: Claudia Timm

Der perfekte Begleiter

Mit auf dieser Hochtour war der ORIGINAL+ mod.8T Tourenski in 171 cm. Trotz der anspruchsvollen und sehr wechselhaften Schneeverhältnisse hat mich der vielseitige Allrounder an diesem Wochenende nie im Stich gelassen. Egal ob mit Eis, Sulz oder Firn, der Ski präsentierte sich stets spielerisch und agil, laufruhig und spurtreu – ein Multitalent für jedes Gelände, welches bei hoher Geschwindigkeit fast wie ein Allmountain-Ski anmutet. Für mich das perfekte Match!

Du bist auf der Suche nach Deinem treuen Begleiter für Dein nächstes Skitouren-Abenteuer? Dann schau doch mal bei dem ORIGINAL+ Tourenski Guide vorbei. Bis 31. Juli 2022 profitierst Du noch von der ORIGINAL+-Vorfreude-Aktion 2022 und erhältst 210,- EUR Rabatt auf deine Bestellung.

Zeit für Vorfreude auf den nächsten Winter.

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