Steilrinnen im Portrait: Wasserfallspitze über Nordrinne

Geheimtipp für Genießer

von Bergwärts Expertin Claudia Timm

Die Wasserfallspitze gehört zu den beliebtesten Frühjahrsskitouren in den Schladminger Tauern. Für Steilrinnenfahrer hält die Nordrinne eine äußerst interessante Variante bereit. 

Jetzt bloß nicht die Nerven verlieren – in der Schlüsselstelle möchte man das Tempo gut kontrollieren.
Jetzt bloß nicht die Nerven verlieren – in der Schlüsselstelle möchte man das Tempo gut kontrollieren. Copyright: Claudia Timm

Der Charakter der Rinne

Ein breites, hufeisenförmiges Kar mit steilen Felswänden ein ganz klein wenig erinnert das Herzmaierkar mit der 2.507 m hohen Wasserfallspitze an seine großen Verwandten in Alaska. Einsamkeit, Pulverschnee und steile Hänge sind auf dieser Skitour in der Steiermark garantiert. 

Die wichtigsten Fakten im Überblick

  • Land: AT / Steiermark 
  • Gebirge: Schladminger Tauern 
  • Berg: Wasserfallspitze 
  • Talort: Untertal  
  • Exposition: Nord bis Nordost 
  • Gefälle: circa 40° Grad 
  • Schwierigkeit: ++++ von +++++ 
  • Höhenmeter: 1.460 m 
  • Beste Jahreszeit: Januar bis März 
  • Dauer: 4 Stunden 45 Minuten 

Der genaue Routenverlauf

Aufstieg:

Vom Parkplatz beim Gasthaus Weiße Wand auf der Brücke über den Bach und über die Wiese zur Forststraße. In mehreren Kehren die Straße bergauf, zuletzt im Graben zur Herzmaieralm auf 1.649 m.
Hier linker Hand des Bachlaufs die flache Wiese queren und dann sanft ansteigend, durch lichten Wald, in südöstlicher Richtung ins Herzmaierkar schwenken. Nun links haltend auf die erste Steilstufe, dem Wassergraben entlang auf die zweite Steilstufe und weiter links haltend zum Ende des Kars.
Dort ostwärts durch eine breite, steile Rinne zur Scharte zwischen Wasserfallspitze und Hinterem  Wildkarstein. Dann weiter dem Bergrücken folgend zum Gipfel der 2.507 m hohen Wasserfallspitze. Je nach Verhältnissen müssen die Ski die letzten Meter getragen werden.

Im Aufstieg zur Scharte zwischen Wasserfallspitze und Hinterem Wildkarstein öffnet sich der  Blick auf das herrlich breite Herzmaierkar.

Im Aufstieg zur Scharte zwischen Wasserfallspitze und Hinterem Wildkarstein öffnet sich der  Blick auf das herrlich breite Herzmaierkar. Copyright: Claudia Timm 

Abfahrt:

Vom Gipfel am besten zu Fuß – ein paar Schritte zurück in die erste kleine Einschartung. Dort Ski anlegen und los geht der wilde Ritt! Der Falllinie folgend führt die Route bei gleichmäßigem Gefälle ins Herzmaierkar hinab. Von dort entlang der Aufstiegsspur zurück zum Parkplatz.

Welche Varianten gibt es?

Das weite Herzmaierkar bietet zahlreiche Rinnen und Steilabfahrten in allen Expositionen. Wer zusätzliche Höhenmeter sammeln möchte, kann die Tour auch gut mit dem Sonntagskarzinken kombinieren. Hier lohnt eine Abfahrt durch die steile Südflanke. Je nach Verhältnissen kann die Wasserfallspitze auch von Nordwesten erklommen werden.

Welche Schlüsselstellen sorgen für Adrenalin?

Etwa auf der Hälfte der Rinne ist eine kurze Engstelle zu meistern. Hier heißt es flink in den Beinen sein und das Tempo kontrollieren. Es folgt ein weiter Auslauf, also keine falsche Scheu. Die Steilstufen im Herzmaierkar sind ein absoluter Genuss! 

Auf die Engstelle folgt ein weiter Auslauf. Hier kann man nochmal richtig Gas geben.

Drei Gründe, warum sich die Abfahrt lohnt

Noch ist die Wasserfallspitze ein echter Geheimtipp. Aufgrund des etwas längeren Zustiegs verirrt sich nur selten ein Skitourengeher in die Rinne. Zudem hält sich hier der Pulverschnee aufgrund der nördlichen Exposition oft wochenlang. Und last but not least locken nach der Abfahrt zwei hervorragende Wirtshäuser im idyllischen Untertal. 

Wo einkehren?

Nach der Abfahrt haben Steilrinnen-Fahrer die Qual der Wahl: Das Gasthaus Weisse Wand gehört zu den urigsten Hütten der ganzen Region. In dem 300 Jahre alten Haus gibts eine geschmackige und deftige Küche wie in Uromas Zeiten. In der familiengeführten Waldhäuslalm gehts etwas moderner, aber nicht minder gut daher: Das selbst gebackene Brot, der fangfrischer Saibling und das Lamm vom hauseigenen Bauernhof sind ein absoluter Genuss. Zum Schluß noch eine süße Belohnung in Form von Schwarzbeerstrudel und der Tag ist perfekt! 

Welche Ausrüstung mitnehmen?

Je nach Schneebedingungen sind für den Gipfelhang Steigeisen und Pickel empfehlenswert. Bei den Steilstufen sind bei eisigen Verhältnissen Harscheisen hilfreich. 

Kurz unter dem Gipfel hat man gut Lachen, der Aufstieg ist jetzt fast geschafft.
Kurz unter dem Gipfel hat man gut Lachen, der Aufstieg ist jetzt fast geschafft. Copyright: Claudia Timm

Wie hinkommen?

Über die Ennstal-Bundesstraße B320 nach Schladming und durch den Ort hinauf nach Rohrmoos fahren. Dort im Kreisverkehr die zweite Ausfahrt nehmen und der Beschilderung ins Untertal folgen. Weiter bis zur Waldhäuselalm oder wenn die Schneelage dies zulässt bis zum Gasthof Weiße Wand (Parkplatz an der Brücke kurz vor dem Gasthaus). 

Mehr Infos

Meine SpurSkitourenführer Salzburg und angrenzende Gebiete von Christian Heugl. 

Wissen zum Mitnehmen

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