Lasst uns Ski fahren!

Corona ist herausfordernd für uns alle – privat wie beruflich. Viele Menschen und Unternehmen sind stark von den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie betroffen. Der Tourismus und die Wintersportbranche bekommen die Einschränkungen besonders zu spüren. Eine heftige Debatte ist darüber entbrannt, was richtig und verhältnismäßig bezüglich Wintersport in Corona-Zeiten ist. Zeit, ein paar Fakten auf den Tisch zu legen und unsere eigene Sicht der Dinge darzulegen ...

WIR SETZEN UNS FÜR DEN WINTERSPORT EIN ...

... auch oder gerade in Zeiten wie diesen. Das tun wir nicht nur aus Eigeninteresse, sondern weil wir fest daran glauben, dass verantwortungsbewusstes Skifahren auch diesen Winter möglich ist – und möglich gemacht werden sollte. Die Schweiz und Österreich, wo die Skilifte seit Beginn des Winters bzw. seit Weihnachten laufen, gehen mit gutem Beispiel voran. Andere Alpenländer wie Deutschland, Italien oder Frankreich haben die Bevölkerung aufgerufen, Wintersport weitgehend zu meiden und halten Skigebiete weiter geschlossen.

Verbände und Unternehmen der Sportbranche haben sich in den vergangenen Wochen in gemeinsamen Statements an politische Entscheidungsträger und an die Öffentlichkeit gewandt. Darin weisen sie auf schwere Folgen von Skigebietsschließungen hin und lehnen „pauschale Wintersportverbote“ – wie etwa derzeit in Deutschland – als unverhältnismäßig ab.

Auch wir sind der Meinung: Die Gesundheit ist wichtig. Und trotzdem bzw. genau deshalb ist es richtig und verhältnismäßig, Skifahren unter gewissen Auflagen zu erlauben. Dafür gibt es gute Gründe ...

WINTERSPORT BRINGT ARBEITSPLÄTZE UND WOHLSTAND

Die Wintersportbranche generiert jährlich 10 Milliarden Euro Umsatz in Europa und beschäftigt jede Saison 1,5 Millionen Menschen. Alleine in Österreich hängen 750.000 Arbeitsplätze vom Wintertourismus ab, 70.000 allein in der Seilbahnwirtschaft.

Von der Corona-Pandemie und den entsprechenden Maßnahmen zur Eindämmung ist die Branche hart getroffen. Speziell auch deshalb, weil der Wintersport eine saisonale Angelegenheit ist und zu einem nicht unerheblichen Teil vom (Ski-)Verleih lebt. Der diesen Winter bislang entgangene Umsatz ist nicht einfach auf- oder nachzuholen.

Der ausbleibende Wintersporttourismus hat enorme Auswirkungen auf die betroffenen Regionen – besonders dort, wo ganze Täler mehrheitlich vom Tourismus leben: Bergbahnen, Restaurants, Hotels, stationärer Handel, Verleihstationen, Mobilitätsanbieter, Skischulen, Skiverbände und auch die Skiindustrie können vielerorts nur (über)leben, wenn es Wintersport und Wintertourismus gibt.

Deshalb haben sich die Betriebe auf eine Wintersaison mit COVID-19 vorbereitet: Detaillierte Präventionskonzepte mit Hygiene- und Schutzmaßnahmen wurden ausgearbeitet, Millionenbeträge in Umbauten, Online-Ticketing, Kameras (zur Abstandskontrolle), Hygieneeinrichtungen, Absperrungen, Leitsysteme und Tests des Personals investiert.

In Europa ist der Wintersport allerdings viel mehr als nur Business ...

WINTERSPORT IST TEIL DER ALPINEN KULTUR UND GESUND

Wenn kein Wintersport möglich ist, trifft das nicht nur Unternehmen und Arbeitnehmer der Branche, sondern auch 60 Millionen EuropäerInnen, die laut jüngsten Studien regelmäßig Ski fahren. In vielen Regionen ist Wintersport Teil des Kulturerbes und ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens.

„Es muss einen Grund geben, dass Millionen Menschen weit reisen, Wind und Wetter trotzen, um den Berg hochzulifteln. Strapazen werden in Kauf genommen, um in einer Masse aktiven Sport zu betreiben, wie man es sonst nirgends findet. Es muss also auf die Psyche positiv wirken, denn wir sind Weltmeister im Vermeiden von Dingen, die uns nicht taugen“, sagt Sportmediziner Univ.-Prof. Dr. Dr. Josef Nilbauer gegenüber den Salzburger Nachrichten. Er leitet das Universitätsinstitut für präventive und rehabilitative Sportmedizin und ist am Olympiazentrum Salzburg-Rif tätig.

Wintersport ist Wohlbefinden – physisch wie mental – und das nachweislich: Skifahren wirkt sich positiv auf das Herz-/Kreislaufsystem, die Muskulatur und Kraft aus. Es stärkt das Immunsystem, steigert die Motivation und liefert eine ordentliche Dosis Vitamin D an dunklen Wintertagen. Dabei sind die positiven Gesundheitseffekte laut Sportmedizinern größer als die Unfallgefahren.

Skifahren ist Bewegung in der Natur, frische Luft, kurz: ein Sport mit naturgemäß viel Abstand und optimaler „Belüftung“.

DIE ANSTECKUNGSGEFAHR BEIM SKIFAHREN IST GERING

Es gibt bisher keine Hinweise auf eine Ansteckungsgefahr auf der Piste. Und da 85 % der Liftanlagen bei uns offene Schlepp- und Sessellifte sind, ist auch die Gefahr gering, sich beim Liftfahren was „einzufangen“. Mit der derzeit in Österreich geltenden Regelung, Kabinenbahnen, Gondeln und Sessellifte nur zu maximal 50 % zu besetzen, ist hier deutlich mehr Luft als in so manchen Öffis – im wörtlichen wie übertragenen Sinn. Auch, dass in besagten Liften medizinische FFP2-Masken zu tragen sind und Fenster permanent geöffnet sein müssen, macht diese Beförderungsmittel tendenziell „sicherer“ in Bezug auf Übertragung durch Aerosole als Busse, U-Bahnen und dergleichen.

Und: Da beim Skifahren mehr oder weniger durchgehend Handschuhe getragen werden, kann man von einem grundsätzlich niedrigeren Verbreitungsrisiko mittels Schmierinfektion ausgehen.

VERANTWORTUNGSBEWUSSTER WINTERSPORT IST MÖGLICH

... wenn alle mitmachen. Und damit meinen wir wirklich alle! Nicht nur die Liftbetreiber sind in der Pflicht, geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen und dafür zu sorgen, dass diese auch eingehalten werden.

Auch jede Skifahrerin und jeder Skifahrer muss ihren/seinen Beitrag leisten. Dazu gehört: konsequent Abstand halten und Masken tragen – in Österreich: FFP2-Masken in allen Gondeln und Seilbahnen, Sesselliften mit Wetterschutzhaube und entsprechenden Zugangsbereichen; sonstigen Mund-Nasen-Schutz in anderen Fahrbetriebsmitteln, im Kassenbereich, Skibus und Skidepot.

Konsequenz und Eigenverantwortung sind gefragt. Denn nur, wenn wir es im Kollektiv schaffen, dass die Hygiene- und Schutzmaßnahmen nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis funktionieren, kann die Skisaison zum Erfolg werden. Die Sommersaison hat gezeigt, dass die Situation mit wirksamen Auflagen prinzipiell gut beherrschbar ist.

Und noch eine Nachricht an alle Kritiker: Skifahren ist nicht gleichzusetzen mit Party-Tourismus und Après-Ski. Letzteres ist diese Saison selbstverständlich tabu. Jeglicher Vergleich mit Ischgl und was dort im Frühjahr falsch gelaufen ist, hinkt gewaltig. Denn zur Ausbreitung des Coronavirus kam es dort erwiesenermaßen nicht beim Skifahren, sondern beim Après-Ski und das ist in Ischgl bekannterweise mitunter exzessiv ...

FAZIT DER BISHERIGEN SKISAISON IN ÖSTERREICH

Im Großen und Ganzen hat der Skibetrieb in Österreich in den vergangenen Wochen relativ gut funktioniert. Sicher, es gab ein paar chaotische Situationen, insbesondere in kleineren Skigebieten in der Nähe von Ballungsräumen: Sie erlebten an manchen Tagen einen regelrechten Ansturm – und die Nachrichten und Bilder langer Auto- und unkontrollierter Warteschlangen waren freilich keine gute Werbung für offene Skigebiete. Inzwischen haben die Liftbetreiber ihre Sicherheitskonzepte nachgebessert und vielerorts läuft der Betrieb mittlerweile reibungslos.

Klar ist: Die Menschen werden weiter in die Natur und in den Schnee drängen – gerade jetzt, wo es so wenig Alternativen zur geistigen und körperlichen Erholung gibt. Solange die Hotels geschlossen sind und Skifahren nur als Tagesausflug möglich ist, wird es hier und da mehr Nachfrage als Angebot geben. Da helfen vermutlich nur stärkere Kontingentierungen bei Skitickets. Warum nicht die Zufahrt zum Skigebiet und den Parkplatz vor Ort an ein bereits (online) gekauftes Ticket knüpfen?

Was aber auch gesagt werden muss: Der Großteil der Skigebiete, vor allem im Westen Österreichs, war und ist nur zu einem Bruchteil ausgelastet. Und so konnten viele SkifahrerInnen und insbesondere viele Familien, die nicht so einfach aufs Tourengehen ausweichen können, erholsame Weihnachtsferien mit hervorragenden Pistenbedingungen und wenig Andrang erleben. Und damit auch Energie für die bevorstehenden, herausfordernden Wochen tanken.

ANREGUNGEN FÜR EINEN NOCH SICHEREREN SKIBETRIEB

Sicherlich gibt es viele Ansatzpunkte, wie man den Wintersport noch besser und sicherer gestalten kann. Hier lohnt sich ein Blick über den Tellerrand:

So ist es sowohl in Nordamerika als auch in Neuseeland gang und gäbe, sogenannte „Lifties“ in ausreichender Zahl anzustellen, die für geordnetes Anstehen und eine geregelte Beförderung sorgen. Sprich: deutlich mehr, deutlich engagierteres und meist auch besser gelauntes Personal als bei uns üblich. Drängeln ist in angloamerikanischen Skigebieten kein Thema – Abstand halten auch in Nicht-Coronazeiten die Norm. Und das Beste daran: Die meisten „Lifties“ sind coole Jungs und Mädels, die für gute Stimmung in der Warteschlange sorgen – also genau das, was wir im Moment brauchen!

Gastronomie und Hütten können sich ein Beispiel an Skandinavien nehmen. Dort wird längst nur bargeldlos bezahlt – egal wie klein und abgelegen das Skigebiet oder die Skihütte sind. Das beschleunigt den Bezahlprozess, verringert Wartezeiten und ist hygienisch unbedenklicher, da kontaktlos.

Auch beim Online-Ticketing ist noch Luft nach oben, vor allem was die Akzeptanz und Nutzung durch die SkifahrerInnen betrifft. Die Skigebiete haben ihr Angebot hier zuletzt massiv ausgebaut.

ZUVERSICHTLICH IN DIE ZUKUNFT BLICKEN

Zu guter Letzt noch ein kurzer Blick in die Zukunft: Aufgrund der unkoordinierten Ferien in ganz Europa haben Millionen von Menschen nur eine sehr begrenzte Zeit, um ihren Lieblingssport auszuüben, und das oft unter überfüllten Bedingungen. Mittel- bis langfristig wäre es doch großartig, wenn es eine bessere europaweite Absprache bezüglich der (Winter-)Ferien gäbe, um allzu große Menschenansammlungen beim Skifahren grundsätzlich zu vermeiden. So könnten die Wintermonate besser und ausgeglichener für den Skitourismus genutzt werden. Davon würden alle profitieren: Hotellerie, Gastronomie, Bergbahnen, Skischulen, Verleihstationen und vor allem die SkifahrerInnen.

Für uns wie für viele Millionen SkifahrerInnen hat sich auch im Corona-Winter eines nicht geändert: Skifahren ist und bleibt das „Leiwandste“ – und die beste „Medizin“ gegen Kummer und Sorgen.

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